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Handwerkerhof fecit

Werkstatt für Menschen mit Assistenzbedarf

Der Handwerkerhof fecit ist eine Einrichtung der Werk- und Betreuungsgemeinschaft Kiel e.V., die sich aus einer freien Initiative von Eltern und Mitarbeitern 1985 gegründet hat. Die Aufgaben des Handwerkerhofes fecit werden vom Mitarbeiterkollegium gemeinsam getragen und gestaltet. Grundlage dieser Tätigkeit ist die Arbeit an den geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen Rudolf Steiners und der daraus begründeten Sozialtherapie.

Das Recht auf Arbeit zählt zu den Grundrechten jedes Menschen, Arbeiten in unserem Sinne ist Tätigwerden für andere Menschen.

Es ist uns wichtig, Menschen, die in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt sind, einen "geschützten" Raum für Tätigkeiten in der Dienstleistung und in der Produktion im Handwerk und Kunsthandwerk anzubieten.

Durch die bedachte Ausgestaltung seines bzw. ihres individuellen Arbeitsplatzes und durch vorausplanende, kollegiale Fürsorge von Menschen, die ihm oder ihr helfend zur Seite stehen, kann der/die zu begleitende Mitarbeiter/in in Zusammenarbeit mit anderen seine/ihre Aufgabe und ein partnerschaftliches Miteinander finden.

Für jeden Menschen ist es wichtig, sein Leben so weit wie möglich selbst zu gestalten. Deshalb bemühen wir uns um Beteiligung und Mitwirkung aller zu begleitenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Ziel unserer Arbeit ist es, die in den Werkstätten tätigen und zu begleitenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter so zu fördern und zu unterstützen, dass diese die "Teilhabe am Arbeitsleben" auf dem allgemeinen Ausbildungs- und Arbeitsmarkt erfahren und ggf. einer entsprechenden Beschäftigung nachgehen können.

Anthroposophisches Menschenbild

Grundlage für die sozialtherapeutische Arbeit in der Werkstatt ist das anthroposophische Menschenbild Rudolf Steiners.

Wir verstehen uns als partnerschaftliche Begleiter der zu betreuenden Mitarbeiter/innen. Ihre persönlichsten Wünsche und Intentionen versuchen wir wahrzunehmen, zu verstehen und in die Förderung ihrer Entwicklung mit einzubeziehen. Wir achten jeden als gleichwertigen Mitmenschen und sind uns bewusst, dass er oder sie, denen wir Hilfe zukommen lassen, auch unsere Entwicklung fördert und unser Leben bereichert.

Behinderung sehen wir in erster Linie nicht als Defizit, sondern als einen "besonderen" Ausdruck der Individualität des einzelnen Menschen. Wir sehen in jedem Menschen dessen Einzigartigkeit und Entwicklungsfähigkeit, unabhängig von den Erschwernissen oder Behinderungen, die zu seinem Leben gehören. Der anthroposophisch erweiterte Entwicklungsbegriff ist nicht auf leibliche und seelische Prozesse begrenzt. Er umfasst einen Evolutionsgedanken, nach dem sich die Persönlichkeit nicht ausschließlich aus vererbten und sozialen Bedingungen herleitet, sondern Ausdruck eines individuell-geistigen Entwicklungsstromes ist, der bereits vorgeburtlich wirksam war und über das gegenwärtige Leben hinaus Entwicklung veranlasst.

Unser Menschenbild beinhaltet die Erkenntnis, dass weder der Geist noch die Individualität des Menschen verletzt oder behindert sein kann. Die Umstände allerdings, unter denen sich Geist und Individualität äußern wollen und müssen, sind dergestalt, dass durch leibliche oder seelische Einschränkungen ein eigenständiges Leben erschwert ist. Das "Ich" des Menschen tritt dann unter Umständen in verzerrter Erscheinung auf und prägt den äußeren Eindruck.

Arbeitsfelder

Der Schwerpunkt der Arbeitsfelder liegt in handwerklichen und kunsthandwerklichen Bereichen. Dieser Schwerpunkt fördert einerseits die Kreativität der zu begleitenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, andererseits haben diese in der handwerklichen Produktion die Möglichkeit, den Fertigungsablauf in seiner Gesamtheit zu überschauen. Vom Ausgangsmaterial bis zum fertigen Produkt – unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen können sich mit „ihrem“ Produkt identifizieren.

Der Produktionsprozess bietet je nach Grad der Einschränkungen für die zu betreuenden Menschen einen ihren Fähigkeiten entsprechenden Arbeitsplatz – vom Maschinenarbeitsplatz bis zum grob- oder feinmotorischen Tätigkeitsfeld bei der Arbeit mit Materialien wie Ton, Holz, Wolle, Papier oder Metall. Unser therapeutischer Ansatz kommt auf diese Weise individuell bei jedem/jeder zu begleitenden Mitarbeiter/in zum Tragen.

Sozialtherapeutischer Ansatz

Die Grundanforderungen an den Sozialtherapeuten sehen wir in der ständigen Bemühung um Weiterentwicklung seiner Persönlichkeit und der beständigen Aufgeschlossenheit gegenüber allen anfallenden Betreuungsaufgaben, sowie in dem Bemühen um professionelle, das heißt nur auf das Wohlergehen der betreuten Mitarbeiter/innen ausgerichtete, ihr Willens- und Gefühlsleben ordnende Lösungen. Die Gruppenleiter/innen verstehen sich als Freunde und Lebenshelfer/innen, sie begegnen den zu betreuenden Mitarbeiter/innen als Partner. Indem diese als Partner anerkannt werden, wird ihnen zugleich auch Verantwortung für sich und ihren Beitrag zum Gemeinschaftsleben zugesprochen.

Es sollen selbstbestimmte Beziehungen entstehen, in denen sich die zu begleitenden Mitarbeiter/innen geborgen fühlen können, wenn sie es brauchen, in denen sie aber in erster Linie erfahren, dass ihr Beitrag zum Gemeinschaftsleben ernst genommen wird, und dass von ihnen Verbindlichkeit und Authentizität erwartet wird.

Zusammenarbeit mit Angehörigen und Betreuern

Die Werkstatt strebt eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Eltern, Angehörigen und Betreuern an, in dem Sinne, dass die sozialtherapeutischen Ansätze der Werkstatt auch im Wohnbereich ihre Fortsetzung finden können. Das Kollegium des Handwerkerhofes fecit leistet seinen Teil zur Erhaltung des hohen Niveaus der Arbeit des Vereins Werk- und Betreuungsgemeinschaft Kiel e.V.

Wirtschaftsbereich

Jeder erwachsene Mensch, auch der Mensch mit Assistenzbedarf  soll einer regelmäßigen Arbeit nachgehen können, soweit nicht die Schwere seiner Behinderung oder sein Alter ihn daran hindern. Die Arbeit ist "ganzheitlich", das heißt sie schließt möglichst alle Prozessstufen vom Rohstoff über das Endprodukt bis zum Verkauf ein. Auf diese Weise wird Arbeit zugleich überschaubar und nachvollziehbar. Die Werkstätten werden unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten betrieben. Maßnahmen wie Arbeitsteilung und spezielles Leistungstraining erfolgen jedoch vor allem unter dem Gesichtspunkt, die Arbeit an die individuellen Fähigkeiten der Mitarbeiter/innen anzupassen. Jede Arbeit muss zu einem Ergebnis – das ist: ein Produkt – führen, das real von anderen Menschen gebraucht und benutzt werden kann; unsere Produktion ist auf Markt- bzw. Verkaufsreife ausgerichtet. Auf reine "Beschäftigung" wird verzichtet. In die Aktivitäten der Vermarktung der Produkte werden alle Werkstätten einbezogen.

Arbeit mit diesen Merkmalen wird in den Werkstätten auch als Mittel der Persönlichkeitsstabilisierung und -entwicklung eingesetzt. Im Mittelpunkt steht jedoch immer das Erlebnis der Mitarbeiter/innen, durch ihren eigenen Einsatz Naturstoffe zu Produkten veredeln zu können, die wiederum anderen Menschen nützen und dienen.